Rund ein Viertel aller Opfer des Holocaust stammte aus dem Gebiet der heutigen Ukraine. Zwischen 1941 und 1945 wurden dort etwa 1, 5 Millionen Menschen, größtenteils in Massenerschießungen, ermordet. Heute hat die Mehrheit der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden Wurzeln in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten, etwa die Hälfte in der Ukraine. Trotzdem nehmen ihre Erfahrungen, Erzählungen und Perspektiven in der deutsch-jüdischen Erinnerungskultur einen marginalen Platz ein. Die Interview-Präsentation gewährt exemplarische Einblicke in diese andere (Erfahrungs-)Geschichte des Holocaust, die heute zur deutschen Migrationsgesellschaft gehört.
Etwa 2,7 Millionen Jüdinnen und Juden lebten vor dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der heutigen Ukraine und bildeten damit die zweitgrößte jüdische Bevölkerung in Europa. 1,5 Millionen Menschen wurden in der Shoah zwischen 1941 und 1945 umgebracht, damit stammte jede(r) vierte Ermordete von dort.
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Eine spezifische Erinnerung an die Shoah gab es in der sowjetischen Ukraine nicht. Überlebende schufen zwar unmittelbar nach Kriegsende erste Denkmäler, diese bestanden jedoch nur für kurze Zeit. In der offiziellen antifaschistischen Erzählung kamen sie nicht vor.
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Die Ukraine ist – ebenso wie das Baltikum, Belarus und Moldau – ein blinder Fleck in der deutschen Erinnerungskultur. Über den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 1941 bis 1945 und den „Holocaust by bullets“ wissen die meisten hierzulande wenig.
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Die Überlieferung und das Wissen über den Holocaust in der Ukraine sind bis heute unvollständig. Die Namen der Opfer, der genaue Hergang ihrer Verfolgung und Ermordung und die beteiligten Täter sind nicht umfassend bekannt.
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Nur wenige sowjetische Jüdinnen und Juden entkamen der Mordmaschinerie der Deutschen und ihrer Helfer, sei es in Verstecken, bei Partisanen, im Dienst der Roten Armee oder (größtenteils) in der Evakuierung.
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Ein Großteil der Jüdinnen und Juden, die heute in Deutschland leben, stammen aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten. Etwa die Hälfte von ihnen haben Wurzeln in der heutigen Ukraine.
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Ein Großteil der Jüdinnen und Juden, die heute in Deutschland leben, stammen aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten. Etwa die Hälfte von ihnen haben Wurzeln in der Ukraine. Ihre Einwanderung veränderte die jüdischen Gemeinden und Gemeinschaft in Deutschland grundlegend und war maßgeblich dafür, dass es hier heute (wieder) ein vielfältiges jüdisches Leben gibt.
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Zwischen dem Tatgeschehen und der deutschen Erinnerungskultur zeigt sich mit Blick auf den Holocaust in der Ukraine und in anderen Teilen der Sowjetunion eine enorme Diskrepanz. Etwa die Hälfte der 6 Millionen Jüdinnen und Juden, die während des Zweiten Weltkriegs von deutschen Einheiten und ihren Helfern ermordet wurden, fielen dem „Holocaust by bullets“ in der besetzten Sowjetunion zum Opfer.
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Mit der Migration der postsowjetischen Jüdinnen und Juden ist seit den 1990er Jahren eine andere kollektive Erinnerung in die jüdische Gemeinschaft und in die nichtjüdische deutsche Gesellschaft eingezogen. In deren Mittelpunkt stand nicht der Holocaust, sondern der Zweite Weltkrieg, und, damit verbunden, der Sieg über Deutschland.
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