Ortsglossar

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Tschernobyl/Чорнобиль (ukr.) / Черно́быль (russ.)

Der Name Tschernobyl steht wie kein anderer für die nukleare Katastrophe, nachdem am 26. April 1986 ein Reaktor des gleichnamigen Atomkraftwerks in der nahegelegenen Stadt Prypjat explodiert war. Aus dem Blick gerieten andere Kapitel der Geschichte der Stadt: Sie war ein Zentrum des chassidischen Judentums und 1941 einer von unzähligen Tatorten während der Shoah.

Im 18. Jahrhundert wirkte dort der Rabbiner Menachem Nachum Twersky und begründete dort ein wichtiges Zentrum des Chassidismus, einer orthodoxen Bewegung innerhalb des Judentums. Etwa 150 Jahre später waren 1.783 der etwa 9.000 Einwohnerinnen und Einwohner Tschernobyls jüdisch (25 Prozent). Etwa zwei Drittel von ihnen gelang die (vorerst rettende) Flucht oder die Evakuierung, bevor deutsche Einheiten die Stadt am 25. August 1941 besetzten. Die verbliebenden mussten in das im Oktober eingerichtete „offene Ghetto“ ziehen, Zwangsarbeit leisten und eine Armbinde tragen. Im November 1941 erschossen Angehörige der Einsatzgruppe C mehr als 400 Menschen. Etwa 20 Verfolgte konnten sich zunächst retten, wurden aber wenige Wochen später gefasst und hingerichtet. Die Rote Armee erreichte Tschernobyl erstmals am 28. September 1943, wurde aber von der Wehrmacht wieder zurückgedrängt und befreite die Stadt letztlich am 17. November. Heute ist sie Teil der Sperrzone um den havarierten Reaktor.