Eine spezifische Erinnerung an die Shoah gab es in der sowjetischen Ukraine nicht. Überlebende schufen zwar unmittelbar nach Kriegsende erste Denkmäler, diese bestanden jedoch nur für kurze Zeit. In der offiziellen antifaschistischen Erzählung kamen sie nicht vor. Vielmehr erschienen ihre Opfer als Teil einer kollektiven Leiderfahrung des sowjetischen Volkes im „Großen Vaterländischen Krieg“, an den seit 1965 am 9. Mai, dem „Tag des Sieges“ über das nationalsozialistische Deutschland offiziell erinnert wurde. Hinzu kam der weit verbreitete, in der Stalin-Zeit zunehmende Antisemitismus. All dies wirkte auf offizielle Gedenkfeiern und die in den 1950er und 1960er Jahren errichteten, sowjetischen Denkmälern zurück. Auch jüdische Überlebende und ihre Nachkommen gedachten der Kriegstoten und gratulierten alljährlich den Veteranen in ihren Familien, die in der Roten Armee gekämpft hatten. Zugleich erinnerten sie im privaten Raum an ihre ermordeten Angehörigen, worüber allerdings oft nur wenig bekannt war. Erst seit der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 ist ein öffentliches Gedenken an den Holocaust schrittweise möglich, das überwiegend von jüdischen Organisationen und engagierten Einzelpersonen getragen wird. Außerdem wurden einzelne privat getragene Forschungsinstitute eingerichtet und Projekte initiiert. In der staatlichen Geschichtspolitik hat das Thema nach wie vor keinen Platz, viele Ermordungsstätten sind unmarkiert.
Bildunterschrift
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