Über das Projekt

1,5 Millionen Jüdinnen und Juden, rund ein Viertel aller Opfer des Holocaust, wurden auf dem Gebiet der heutigen Ukraine im deutschen Vernichtungskrieg zwischen Mitte 1941 und 1944 ermordet. Heute kommt die Mehrheit der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten, etwa die Hälfte von ihnen hat ihre Wurzeln in der Ukraine. Diese Einwanderung hat nicht nur die hiesigen jüdischen Gemeinden, sondern auch die Perspektiven auf den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust verändert. In der deutsch-jüdischen Erinnerungskultur ist das Gedenken an den Holocaust durch die Deportation und die Ermordung von Jüdinnen und Juden in den Vernichtungslagern geprägt. Diese Wahrnehmung steht im Gegensatz zu dem Tatgeschehen in Osteuropa, wo Jüdinnen und Juden nicht deportiert, sondern oft massenhaft in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnorte erschossen wurden.

Ziel unseres Projektes war es, diese andere, wenig präsente jüdische Erfahrungs- und Erinnerungsgeschichte zu erforschen und damit den Blick für eine Erinnerungskultur zu öffnen, die sich in der Folge der jüdischen Migrationen verändert hat. Zu diesem Zweck wurden Interviews mit Angehörigen verschiedener Generationen und mit Familien geführt, die seit den 1990er Jahren aus der (post)sowjetischen Ukraine nach Deutschland eingewandert sind. Die Ergebnisse der Forschung werden auf dieser Website dokumentiert und kontextualisiert. So werden Ausschnitte aus den geführten Interviews bereitgestellt, die Schlaglichter auf individuelle, familiäre und gesellschaftliche Perspektiven auf den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust werfen. Damit soll das Wissen über den Holocaust um wesentliche Dimensionen des Tatgeschehens erweitert werden.

Ziel unserer Website ist es auch, in Bezug auf den Holocaust in der Ukraine deutlich zu machen, dass es weiterhin „Blind Spots“, d. h. Forschungs- und Wissenslücken gibt. Diese betreffen beispielsweise das (Nicht)Wissen über die Anzahl der Tatorte und um Tatverläufe sowie erinnerungspolitische Konstellationen, die das kollektive Gedächtnis geformt haben und weiterhin formen.

Wir danken all denjenigen, die uns im Rahmen des Interviewprojektes Einblicke in ihre individuellen Lebens- und Familiengeschichten gewährt haben. Besonderer Dank gilt auch der Alfred Landecker Foundation, deren finanzielle Förderung dieses Projekt erst ermöglicht hat.

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