Svitlana Gofshteyn

geboren 1937, aus Kiew, migrierte 1992 mit ihrer Familie als jüdischer Kontingentflüchtling, lebt in Kassel

Bildunterschrift?

Erwähnte Orte
➥ Tschernobyl

„Meine Großmutter ist als Jüdin gestorben, [mein Vater] ist wie ein Soldat gestorben.“

Svitlana Gofshteyhn über ihre Evakuierung aus Kiew und die Ermordung ihrer Angehörigen

„Und Deutschland hat uns sehr eingeladen, und es war damals umsonst. Also sind wir gegangen.“

Svitlana Gofshteyhn über die Wirtschaftskrise, Tschernobyl und ihr Deutschlandbild

Ausschnitt: 00:43:13 bis 00:47:30

Transkript
SG: Und plötzlich beginnt diese Perestrojka, die frühen neunziger Jahre. Und wir sehen, was passiert, was für eine Auflösung dieses ganzen Eigentums. Wir sehen, wie Selenskyj jetzt wie ein Bettler herumläuft und um Geschosse bettelt und so was auch immer. Und wie viele Militärbetriebe es in der Ukraine gab, welche Panzerfabriken und Flugzeugfabriken es in Charkiw gab. Die waren riesig. Und Dnipro war der führende Raketenhersteller in der Sowjetunion, das Kiewer Raketenwerk auch. Das wussten wir alle. Und mein Mann hat in dieser Fabrik gearbeitet, und in den letzten Jahren meiner Arbeit habe ich diese verrückte Ausraubung des Ganzen miterlebt. Und wir haben verstanden, dass es keinen Sinn hat. Und dann sagte mein Mann: „Weißt du, ich garantiere dir, dass es in den nächsten fünfzig Jahren keine Ordnung in der Ukraine geben wird. Dann vielleicht, aber nicht in den nächsten fünfzig Jahren. Also denke ich, wir sollten es tun.“ Außerdem habe ich in meiner Zeit in verschiedenen Bereichen gearbeitet, ich habe viele Jahre im Institut für Radiologie gearbeitet. Und ich habe die Gefahr von Tschernobyl verstanden. Verstehen Sie?
Und ich habe gesehen, wie schlimm es war. Aber dann hat mein Mann die richtige Entscheidung getroffen und gesagt: „Ich sage dir, hier wird es keine Ordnung geben und wir müssen weg.“ Und Deutschland hat uns sehr eingeladen, und es war damals umsonst. Also sind wir gegangen. Er sagte: „Das ist Europa, egal, das ist Deutschland, das ist alles. Diese Leute haben verstanden, was war und was sein wird.“ Wir haben ein bisschen darüber nachgedacht und festgestellt, dass man nicht sagen kann – das ist ein böses Land, das ist ein gutes Land, das ist ein Land im Zustand der Aggression, das ist ein Land im Zustand der Reue. Das ist alles. Ich habe in meinem Leben gelernt, dass es keine schlechte Nation und keine gute Nation gibt.
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„Das Wichtigste ist, dass sie erkennen, was passiert ist.“

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